Schon im Frühjahr dieses Jahres sprach mich Tänzerin Anna Gorokhova vom Staatstheater Kassel mit einer ungewöhnlichen Idee an: ein Tanzshooting im offenen Wasser eines Sees, in ausdrucksstarken, tänzerischen Bewegungen, im Spiel zwischen Körper und Element. Ihr kreativer Geist hatte das Bild klar vor Augen – nur das Thermometer spielte nicht mit. Bei Temperaturen knapp oberhalb von 5 Grad war an eine Umsetzung nicht zu denken. Wir verschoben.
Anfang Mai: Sonne statt Schatten
Anfang Mai war es dann endlich soweit. Nach einer längeren trüben und kalten Periode zeigte sich an einem der ersten wärmeren Tage die Sonne. So starteten wir unser Vorhaben bei strahlendem Sonnenschein – was mir als Fotograf zunächst Sorgenfalten auf die Stirn trieb: Nicht nur ließ sich die insgesamt dunkle Bildidee bei diesem Licht kaum umsetzen, vor allem aber sorgte ich mich um die Gesundheit der Tänzerin bei noch nicht annähernd sommerlichen Außentemperaturen. Anna nahm es nüchtern: „Das ist kein Problem, das geht.“
Am See angekommen suchten wir zunächst nach passenden Bedingungen: Das Wasser sollte nicht zu tief sein, keine Steine im Untergrund haben und frei von Wassergewächsen sein. Pur und schlicht musste das Gesamtbild bleiben, um Anna in ihrem Element den nötigen Raum zu geben. Das Wasser war erstaunlich klar; in der Luft lag ein leichter Geruch nach vermodertem Entendreck – wenig poetisch, aber Realität am See. Als wir unseren Spot gefunden hatten, gingen wir noch einmal zurück zum Auto, um das Fotoequipment zu holen. Anna wollte sich außerdem – inspiriert von Pina Bausch, deren Choreografien oft in fließenden Stoffen entstanden – in ein leichtes Spaghettikleid umziehen, das im Wasser um sie herum schweben sollte.
Das Tanzshooting im Seee
So vorbereitet starteten wir. Nachdem Anna ins kalte Wasser gestiegen war und ihren Raum gefunden hatte, begann ich mit den Aufnahmen. Schon in den ersten Bildern wurde klar: Die Bedingungen waren mit dem nahezu blauen Himmel und dem Sonnenschein für die gewünschte düstere Bildstimmung alles andere als förderlich. Nach einigen technischen Anpassungen meinerseits gelang das Vorhaben dennoch. Als ich Anna die ersten Aufnahmen zeigte, war sie so begeistert, dass sie gleich noch einmal ins kalte Wasser zurückkehrte und in einer weiteren, freien Choreografie tanzend dem Wasser lauschte. Aus tänzerischer Anmut und einem moodigen Gesamtbild entstanden Bilder, die mit keinem Tanzshooting zuvor zu vergleichen sind. Vorbeilaufende Spaziergänger und Fahrradfahrer hielten an und schauten uns begeistert zu.
Was bleibt, sind Bilder von einem Tag, an dem fast alles gegen die ursprüngliche Idee sprach – kaltes Wasser, falsches Licht – und doch genau das entstand, was Anna im Frühjahr gewünscht hatte.
Die vollständige Galerie zu „Listen to what the water said“ findest du hier unter dem Beitrag. Für ähnliche oder andere Projekte freue ich mich auf deine Anfrage.
Impressionen aus dem Tanzshoooting zum Contemporary Dance Project „Listen what the water said“:
























