Der Jahreswechsel ist ein Moment des Innehaltens. Rückblick, Ausblick, ein kurzer Abstand zum Alltag. Wenn ich auf das Jahr 2025 zurückblicke, denke ich nicht nur an Produktionen, Aufführungen und Begegnungen, sondern auch an Strukturen, die im Hintergrund wirken – oder fehlen. Gerade zum Ende eines Jahres lohnt es sich, im Tanz einmal bewusst über das hinauszuschauen, was auf der Bühne sichtbar ist, und Fragen zu stellen, die sonst leicht verdrängt werden.
Die Stiftung TANZ beschäftigt sich genau mit diesen Fragen. Sie richtet den Blick auf das Berufsleben von Tänzer:innen als Ganzes – mit all seinen Übergängen, Brüchen und Neuausrichtungen. Wer Tanz erlebt, sieht Präzision, Kraft, Ausdruck und Hingabe. Weniger sichtbar ist die Realität eines Berufs, der nur für einen begrenzten Lebensabschnitt auf höchstem Niveau ausgeübt werden kann – körperlich fordernd, emotional intensiv und wirtschaftlich oft unsicher. Wenn die aktive Bühnenlaufbahn endet, braucht es Strukturen, die auffangen, beraten und neue Wege eröffnen. Genau hier setzt die Stiftung TANZ nach meiner Recherche an.
Übergänge ernst nehmen
Eine professionelle Tanzkarriere beginnt früh und verlangt über Jahre hinweg volle Konzentration auf Körper, Bewegung und Ausdruck. Engagements sind häufig befristet, Lebensläufe international und Planungssicherheit selten. Übergänge gehören deshalb untrennbar zu diesem Beruf. Die Stiftung TANZ begleitet Tänzer:innen in solchen Transitionsphasen – mit Beratung, finanzieller Unterstützung und individueller Begleitung.
Dabei geht es nicht um einen endgültigen Abschied von der Kunst, sondern um Orientierung: Welche Fähigkeiten lassen sich übertragen? Welche Weiterbildungen sind sinnvoll? Welche neuen beruflichen Wege können entstehen? Die Stiftung schafft Zeit und Raum für diese Prozesse und erkennt Tanz nicht nur als Moment auf der Bühne, sondern als langfristigen Lebensweg.
Meine Motivation als Tanzfotograf und Tanzvideograf
Als Tanzfotograf und Tanzvideograf erlebe ich professionelle Tänzer:innen in sehr unterschiedlichen Situationen: im Scheinwerferlicht, im Probensaal, hinter der Bühne oder in stillen Momenten kurz vor dem Auftritt und auch in eher privaten Momenten bei Fotoshootings im Fotostudio oder on Location. Diese Nähe verändert den Blick. Ich sehe nicht nur die fertige Bewegung, sondern auch den Weg dorthin – die Wiederholung, die Konzentration, die körperliche Belastung und die enorme Professionalität.
Mir ist bewusst, dass diese künstlerische Arbeit zeitlich begrenzt ist. Gerade deshalb halte ich die Begleitung von Transformationsphasen für so wichtig. Die Stiftung TANZ erkennt an, dass eine Tanzkarriere nicht mit dem letzten Applaus endet. Diese Haltung entspricht meinem eigenen Verständnis von Tanz – und meiner Motivation, diese Kunst sichtbar zu machen und ernst zu nehmen.
Meine Spende, auch wenn ich als Fotograf & Videograf nicht über grossartige Einnahemen verfüge, an die Stiftung TANZ ist Ausdruck dieser Überzeugung. Sie ist ein Zeichen der Solidarität mit Tänzer:innen, deren Arbeit mich inspiriert und deren Geschichten ich begleiten darf.
Sichtbarkeit schaffen – heute und morgen
Mit meinen Bildern, Videos und Texten möchte ich Tanz sichtbar machen – auf großen Bühnen ebenso wie auf kleinen, in etablierten Häusern genauso wie in freien Produktionen. Deutschland verfügt über eine vielfältige Tanzlandschaft, die Aufmerksamkeit verdient. Gerade in Zeiten, in denen kulturelle Budgets knapper werden und Arbeitsbedingungen für Künstler:innen und Theater schwieriger, wird diese Sichtbarkeit umso wichtiger.
Die Arbeit der Stiftung TANZ trägt dazu bei, dass Tanz auch unter veränderten Bedingungen eine Zukunft hat. Denn nur wenn Tänzer:innen Perspektiven entwickeln können, bleibt die Kunst lebendig und entwicklungsfähig.
Begegnungen, die Verantwortung schaffen
In den vergangenen Jahren durfte ich sowohl Profitänzer:innen an Staatstheatern als auch viele freiberufliche Tänzer:innen portraitieren. Diese Begegnungen zeigen mir immer wieder, wie fragil dieses Berufsfeld sein kann. Gerade im freien Bereich gehören Übergänge, Pausen und Neuorientierungen zum Alltag.
Zu wissen, dass es mit der Stiftung TANZ eine Organisation gibt, die hier Verantwortung übernimmt, gibt meiner Arbeit einen zusätzlichen Kontext. Es zeigt, dass Tanz nicht nur aus Aufführungen besteht, sondern aus Biografien, die Unterstützung verdienen.
Ausblick auf 2026 und die kommenden Jahre
Der Blick nach vorn ist schwierig. Die Bedingungen für Tanz und Kultur verändern sich spürbar: Budgets werden knapper, Strukturen fragiler, Planungshorizonte kürzer. Umso wichtiger ist es, dass Organisationen Haltung zeigen und Verantwortung übernehmen – für Künstler:innen, für nachhaltige Strukturen und für die Zukunft der Tanzkultur.
Die Stiftung TANZ steht für genau diese Haltung. Sie zeigt, dass Unterstützung, Weitsicht und Respekt keine Selbstverständlichkeit sind, sondern bewusste Entscheidungen. Für mich gehört das untrennbar zu meiner Arbeit: Sichtbarkeit schaffen, Geschichten erzählen und Verantwortung teilen.
Mit diesem Gedanken gehe ich in das Jahr 2026 – und in all die kommenden Projekte, Begegnungen und Geschichten, die noch erzählt werden wollen.
Mehr Einblicke in meine Arbeit mit Tänzer:innen, Tanzschulen und Theatern findest du hier auf meiner Webseite und meine sozialen Medien wie Instagram und Facebook.







